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Schulen: Kultusminister einigen sich auf mehr Vergleichbarkeit


“Historische” Vereinbarung

Kultusminister einigen sich auf mehr Vergleichbarkeit

Mehr Gemeinsamkeiten bei Schulabschlüssen und Prüfungen: Die Kultusminister haben sich auf eine neue Ländervereinbarung verständigt. Sie soll ein seit den Sechzigerjahren geltendes Abkommen ablösen.




KMK-Präsidentin Stefanie Hubig: Es dürfe keinen Unterschied machen, ob ein Kind in Aachen oder Zwickau geboren sei


KMK-Präsidentin Stefanie Hubig: Es dürfe keinen Unterschied machen, ob ein Kind in Aachen oder Zwickau geboren sei


Foto: Felix Zahn / imago images / photothek

Die Kultusministerinnen und -minister der Länder haben sich nach jahrelangen Verhandlungen auf ein neues Abkommen geeinigt, das für mehr Vergleichbarkeit bei der Schulausbildung und den Abschlüssen sorgen soll. Bei der Kultusministerkonferenz (KMK) am Donnerstag einigten sie sich auf eine entsprechende Ländervereinbarung.

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin und derzeitige KMK-Präsidentin Stefanie Hubig (SPD) sprach von einem “historischen Tag für die Bildung in Deutschland“. Seit dem “Hamburger Abkommen” zur “Vereinheitlichung auf dem Gebiet des Schulwesens” von 1964 hätten die Kultusminister nicht mehr so viele Beschlüsse gefasst, die die gesamte Bildung beträfen. Die Ländervereinbarung soll das “Hamburger Abkommen” ablösen und beschreibt in 44 Artikeln Grundsätze und Ziele der Zusammenarbeit.

Umzüge sollen leichter werden

Die KMK trage damit auch dem Wunsch der Bevölkerung nach mehr Einheitlichkeit Rechnung, sagte Hubig. Es dürfe keinen Unterschied machen, ob ein Kind in Aachen oder Zwickau geboren sei. In der neuen Vereinbarung sichern sich die Länder unter anderem zu, “durch geeignete Maßnahmen” dafür zu sorgen, dass Schüler bei einem länderübergreifenden Schulwechsel “ihre Bildungslaufbahn bruchlos fortsetzen können”. Auch solle die Diskussion über den unterschiedlichen Wert des Abiturs damit beendet werden, ergänzte die baden-württembergische Bildungsministerin Susanne Eisenmann (CDU).

Auswirkungen auf die gesamte Schullaufbahn

Zugleich seien länderspezifische Werte von Bedeutung, so habe etwa Französisch in Rheinland-Pfalz und dem Saarland wegen der Nähe zu Frankreich und Belgien eine besondere Bedeutung, sagte Hubig.

Die Vereinbarung soll sich auf die gesamte Schullaufbahn beziehen.

  • “Wir wollen mehr Vergleichbarkeit schon in der Grundschule“, sagte Hubig. So sollen laut Vereinbarung etwa alle Kinder die verbundene Handschrift lernen und bis 2022 solle festgelegt werden, wie viele Stunden die Fächer Deutsch, Mathematik und Sachunterricht mindestens unterrichtet werden sollen.

  • Die Abschlüsse sollen künftig einheitlich benannt werden, etwa Erster Schulabschluss und Mittlerer Schulabschluss. Geprüft werden soll auch eine Angleichung der verschiedenen Schulbezeichnungen im Sekundarbereich I. Da gibt es mit Realschule, Hauptschule, Oberschule oder anderen Bezeichnungen eine Vielzahl an Namen in den verschiedenen Ländern.

  • Für die gymnasiale Oberstufe soll es bis 2023 Vorgaben geben, wie viele Fächer die Schülerinnen und Schüler belegen müssen und wie diese bei der Bewertung gewichtet werden.

  • Beim Abitur müssen ab 2023 in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch mindestens 50 Prozent der Aufgaben aus einem einheitlichen Pool eingebracht werden. Zwei Jahre später soll das auch für die Naturwissenschaften verpflichtend sein. Bisher nutzen einige Bundesländer den gemeinsamen Aufgaben-Pool noch gar nicht.

Außerdem verständigte sich die KMK auf Vorgaben zur Qualitätssicherung. So müssen alle Länder etwa Bildungsstandards definieren und an nationalen und internationalen Vergleichsstudien teilnehmen.

Mit dem Abkommen richten die Länder zudem eine Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz ein. Sie soll mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem Bereich der Bildungsforschung besetzt werden, unabhängig arbeiten und ihre Empfehlungen veröffentlichen dürfen. Die Kommission wird nun statt des ursprünglich geplanten Nationalen Bildungsrates eingesetzt werden, auf den sich die Länder im vergangenen Jahr nicht hatten einigen können.

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