Spiegel

Soziale Netzwerke vor der US-Wahl 2020: Die Macht der Mythen

Die USA sind ein Land am Rand des Nervenzusammenbruchs. Die Corona-Epidemie hat 215.000 Menschen das Leben gekostet. Die Wirtschaft ist abgestürzt. Mehr als zwölf Millionen Menschen sind arbeitslos. Hunderttausende protestieren gegen Rassismus und Polizeigewalt. Im Westen und Süden des Landes bedrängen Feuer- und Sturmkatastrophen die Bevölkerung. Vor zwei Wochen ist zudem das Weiße Haus selbst zum Virusherd geworden, und der Präsident, ebenfalls infiziert, schlägt seitdem noch wilder um sich als gewohnt, um sich gegen die drohende Wahlniederlage zu stemmen.

Doch im Wahlkampf wird nicht etwa über die besten Lösungen für diese massiven Probleme gestritten, stattdessen wird all das Elend als Munition verwendet. Als Schießpulver in einem medialen Beinahe-Bürgerkrieg.

Nirgends wird das so sichtbar wie auf Facebook und WhatsApp, auf YouTube und Twitter und TikTok, in den soge­nannten sozialen Medien. Einerseits wird dort Solidarität für Bewegungen wie “Black Lives Matter” gezeigt, andererseits wird gelogen, verleumdet, gehetzt und gedroht, bis für das Publikum ein großes, groteskes Zerrbild der Wirklichkeit entsteht.