Spiegel

Spermaqualität: Der unfruchtbare Mann – die unterschätzte Volkskrankheit

Der Protagonist dieser Geschichte ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen, er misst nur 60 Mikrometer, das sind 0,006 Zentimeter, der Punkt am Ende dieses Satzes ist zehnmal so groß. Die Rede ist von der männlichen Keimzelle des Menschen, dem Spermium. Es besteht aus einem Kopf mit Zellkern, einem Mittelteil und einem Schwanz, es ähnelt, in extremer Vergrößerung, einer Kaulquappe.

Auf dem Weg zur Eizelle schwimmt ein Spermium im Gebärmutterhals mit und im Eileiter gegen die Strömung, in einer Minute kommt es drei bis vier Millimeter voran. Anfangs sind Millionen Samenzellen unterwegs, kurz vor dem Ziel sind vielleicht noch 200 übrig. Wenn alles gelingt, dringt das schnellste Spermium in die Eizelle ein und verschmilzt mit ihr. Das ist der Moment der Befruchtung.

Das Problem ist: Dem Spermium geht es nicht gut. Es steckt in einer Krise.

Fast jedes zehnte Paar in Deutschland zwischen 25 und 59 Jahren, das sich ein Kind wünscht, kann auf natürlichem Weg keins zeugen. Die Ursachen liegen bei beiden Geschlechtern, aber die Wissenschaft hat den Beitrag des Mannes an dieser Enttäuschung lange unterschätzt.