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Stellenanzeigen: Bewerber wünschen sich Angabe zum Gehalt







Foto: Eugenio Marongiu / Image Source / Getty Images

Die perfekte Bewerberin ist teamfähig, flexibel, arbeitet mit Freude und Engagement und zeichnet sich durch ihre Einsatzbereitschaft und eine strukturierte Arbeitsweise aus. Geboten werden ihr dafür eine aussichtsreiche berufliche Perspektive und erstklassige Karrierechancen.

Wer leere Worthülsen mag, muss die Lektüre von Stellenanzeigen lieben.

Der Recruiting-Softwarehersteller Softgarden hat untersucht, wie man es besser macht – und wie eine Stellenanzeige aussehen muss, damit sich potenzielle Bewerber angesprochen fühlen. Zentrales Ergebnis: Gefragt sind vor allem konkrete Angaben zum Gehalt und zum Ranking auf Arbeitgeberbewertungsplattformen.

Für die bisher unveröffentlichte Studie, die dem SPIEGEL exklusiv vorliegt, wurden 6720 Menschen befragt, die sich gerade auf eine neue Position beworben hatten. Ihnen wurden jeweils zwei in einer Jobbörse veröffentlichte Stellenanzeigen gezeigt, die sich nur in einem Element unterschieden; die Probanden sollten die anklicken, die ihnen mehr zusagte. In einer Anzeige wurde beispielsweise das Gehalt genannt, in einer anderen nicht. Fast 75 Prozent der Befragten entschieden sich bei den ansonsten identischen Anzeigen für die Variante mit Gehaltsangabe.

Einen ähnlichen Effekt hatte ein Verweis auf Arbeitgeber-Bewertungsplattformen wie Kununu. Stellenanzeigen mit integrierten Bewertungen solcher Seiten wurden von mehr als 80 Prozent der Befragten angeklickt. Interessant hierbei: Unternehmen, die mittelmäßig gut bewerten sind, wurden von den Probanden als besonders verlässlich eingeschätzt.

Auf Kununu können Mitarbeiter ihren Arbeitgeber mit einem bis fünf Sternen bewerten. Der branchenübergreifende Durchschnittswert liegt aktuell bei 3,4 – was einer Weiterempfehlungsrate von knapp 75 Prozent entspricht. Von den Studienteilnehmern wurden Firmen mit diesem Durchschnittswert als besonders ansprechend empfunden.

“Eine 75-prozentige Weiterempfehlung ist realistisch und sehr gut, bei einem Wert über 80 Prozent könnte es sich auch um zusätzliche Fake-Bewertungen handeln”, begründete einer der Probanden seine Entscheidung. “Zu gute Bewertungen haben den Charme von Manipulation”, schrieb ein anderer.

Wie lange dauert es bis zum Vorstellungsgespräch?

25 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich auch bei Firmen bewerben würden, bei denen jeder vierte Eintrag auf einer Bewertungsplattform negativ ist. “Bewertungen sind teilweise von ehemaligen Mitarbeitern, die in der Regel durch stark negative Bewertungen die durchschnittliche Beurteilung verfälschen können. Daher ist für mich ein Arbeitgeber ab einer durchschnittlichen Benotung von 3,5 bereits interessant”, schrieb ein Studienteilnehmer.

Bei mehr als einem Viertel negativer Bewertungen fiel die Bereitschaft für eine Bewerbung aber rapide ab. Weniger als sieben Prozent der Befragten gaben an, sich für einen Arbeitgeber zu interessieren, der mit 2,5 oder weniger Sternen bewertet wird.

Kaum einen Effekt auf die Attraktivität einer Stellenanzeige in einem Jobportal hatten dagegen Videos, in denen etwa der Geschäftsführer oder Mitarbeitende die Vorzüge des eigenen Unternehmens preisen.

Im Internet werden Hotels, Produkte, Ärzte bewertet – warum nicht auch Arbeitgeber?

Karrierewebseiten der Firmen interessierten die meisten Befragten vor allem dann, wenn sie konkrete Informationen zum Ablauf des Bewerbungsprozesses versprachen: Wie lange dauert es von der Bewerbung bis zum Vorstellungsgespräch? Wann soll der Einstellungsprozess abgeschlossen sein? Karriereseiten ohne solche Informationen wurden nur von jedem vierten Befragten angeklickt.

“Im E-Commerce sehe ich auch auf einen Blick, wo mein Paket gerade ist. Ich bekomme als Kunde genaue Beschreibungen des Produkts, kann Preise vergleichen und sehen, wie es von anderen bewertet wurde. Warum sollten bei der Stellensuche andere Spielregeln gelten?”, sagt Softgarden-Geschäftsführer Mathias Heese. “Noch immer denken viele Arbeitgeber, sie hätten die Informationshoheit. Aber Bewerber informieren sich ohnehin auch auf Seiten wie Kununu. Da ist es doch besser, damit proaktiv umzugehen und solche Bewertungen als Chance zu sehen und nicht nur als Gefahr.” Für Ärzte, Hoteliers oder E-Commerce-Unternehmen sei es schließlich auch alltäglich, benotet zu werden.

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