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Strände gesperrt, Bars geschlossen – US-Bundesstaaten greifen durch

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Gesperrter Strand in Los Angeles (im März): Neue Verschärfungen als Reaktion auf steigende Fallzahlen


Gesperrter Strand in Los Angeles (im März): Neue Verschärfungen als Reaktion auf steigende Fallzahlen

Marcio Jose Sanchez/ AP

Eine der vielen Fehleinschätzungen, die Donald Trump in der Vergangenheit über das Coronavirus verbreitet hat, ist diese: Mit steigenden Temperaturen würde sich die Ausbreitung verlangsamen. Nun ist Sommer in den USA – und besonders in den heißesten Teilen des Landes schlagen die Behörden wegen immer weiter steigender Infektionszahlen Alarm.

Aktuellstes Beispiel ist Arizona. Dort müssen Bars, Fitnesszentren und Kinos wieder schließen: Angesichts einer rasanten Zunahme der Neuinfektionen hat der südwestliche US-Bundesstaat eine Lockerung seiner Corona-Auflagen rückgängig gemacht.

Gouverneur Douglas Doucey erklärte am Montag (Ortszeit), auch Veranstaltungen mit über 50 Teilnehmern seien nun wieder verboten – und das nur eine Woche nach einem großen Auftritt von Präsident Trump in Arizona. Douceys Anordnung gilt zunächst bis Ende Juli. “Die Zeit für weitere Maßnahmen ist gekommen”, sagt Ducey. “Wir werden so bald nicht zur Normalität zurückkehren.”

Arizona mit etwa 7,3 Millionen Einwohnern hatte am Sonntag mit rund 4000 Fällen einen Tagesrekord bei der Zahl neuer Infektionen gemeldet, insgesamt gibt es in dem Bundesstaat bislang rund 75.000 bestätigte Coronavirus-Infektionen.

Auch in Texas und Teilen Kaliforniens wurde zuletzt eine Schließung von Bars angeordnet. Der Bezirk Los Angeles verfügte zudem für das kommende lange Wochenende eine Schließung aller Strände, um Menschenmengen zu vermeiden. Auch Fahrradwege, Parkplätze und Piers sind von Freitag bis Montag nicht zugänglich, teilte der Bezirk am Montagabend (Ortszeit) mit. Ebenso wurde das traditionelle Feuerwerk zum Nationalfeiertag am 4. Juli abgesagt. Zudem erklärte der Bürgermeister von Los Angeles, Eric Garcetti, dass mit einer Wiedereröffnung von Kinos in seiner Stadt absehbar nicht zu rechnen sei.

Im Bezirk Los Angeles County mit rund zehn Millionen Einwohnern wurden am Montag knapp 3000 neue Coronavirus-Infektionen verzeichnet, die höchste Zahl an einem einzelnen Tag seit Beginn der Pandemie. Seit März wurden in dem Bezirk mehr als 100.000 Fälle bekannt.

Seit Mai sind die Strände wieder auf – doch nun kommen neue Regeln

Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom hatte am Sonntag in Teilen des US-Bundesstaats eine erneute Schließung von Bars angeordnet. Der Erlass gilt in sieben Bezirken, darunter auch in der Millionenmetropole Los Angeles. Kalifornien hatte sehr früh als Vorsichtsmaßnahme Corona-Beschränkungen erlassen, diese zuletzt aber langsam gelockert.

Nach zweimonatiger Schließung waren die Strände in Los Angeles Mitte Mai wieder für sportliche Aktivitäten, wie Schwimmen oder Joggen, geöffnet worden. Dabei mussten die Menschen aber voneinander Abstand halten und außerhalb des Wassers eine Schutzmaske tragen

Newsom hatte Mitte Juni für den Westküstenstaat mit knapp 40 Millionen Einwohnern eine Maskenpflicht angeordnet. Demnach müssen Kalifornier in der Öffentlichkeit, etwa beim Einkaufen, Busfahren oder am Arbeitsplatz eine Mund-Nasen-Schutzmaske tragen.

Ausrichterort des Republikaner-Parteitags will Maskenpficht verhängen

Auch in Teilen Floridas sollten die Strände über das lange Wochenende geschlossen bleiben. Unter anderem betrifft dieser Beschluss Miami-Dade County, wo sich die Millionenmetropole Miami mit den weltberühmten Stränden befindet. Die Verwaltung der Stadt Jacksonville erklärte auf Twitter, dass ab Montag eine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit gelten wird. Das ist bemerkenswert, weil dort im August der Parteitag der Republikaner stattfinden soll. Donald Trump und seine Anhänger hatten das Tragen von Masken zuletzt zum Politikum erhoben, der Präsident selbst verweigert die schützende Gesichtsbedeckung.

Der Bundesstaat Nevada verschob die nächste Stufe seiner Lockerungen am Montag bis Ende Juli. Gouverneur Steve Sisolak appellierte an die Bürger, in der Öffentlichkeit weiter eine Maske zu tragen und sich an den empfohlenen Sicherheitsabstand zu halten.

Der Bundesstaat New Jersey kassierte angesichts der Zunahme von Neuinfektionen die für Donnerstag geplante Erlaubnis für Restaurants, Gäste wieder in geschlossenen Räumen bewirten zu dürfen. Ebenfalls an der Ostküste hatte New York bereits am Montag erklärt, dass die Theater am Broadway in diesem Jahr nicht mehr öffnen. Mit einer Wiedereröffnung wird derzeit Anfang kommenden Jahres gerechnet, ein konkretes Datum nannte der Branchenverband aber nicht. In den “kommenden Wochen” würden vermutlich erste Eintrittskarten für 2021 angeboten.

Für Dienstag meldeten die Behörden in den USA mehr als 40.000 Neuinfektionen, wie Daten der Universität Johns Hopkins zeigten. Damit wurde diese Marke zum vierten Mal in fünf Tagen überschritten. In den USA gibt es insgesamt bislang fast 2,6 Millionen bestätigte Infektionen und 126.000 Todesfälle. Das sind die mit Abstand höchsten Zahlen weltweit.

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