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Strompreise: EEG-Deckel verhindert heftigen Preisschub




Windräder in Niedersachsen


Windräder in Niedersachsen


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Julian Stratenschulte / DPA


Deutsche Verbraucher zahlen weltweit fast die höchsten Strompreise. Daran dürfte sich, trotz einer milliardenschweren Finanzspritze des Bundes, leider so schnell nichts ändern.

Zwar sinkt die sogenannte EEG-Umlage, die den Ausbau der erneuerbaren Energien finanziert und Stromkunden direkt auf ihre Rechnung draufgeschlagen wird. Konkret wird sie im kommenden Jahr auf 6,5 Cent pro Kilowattstunde reduziert, was einem Rückgang von rund vier Prozent entspricht. Ein Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden wird dadurch aber nur um rund zehn Euro pro Jahr entlastet.

2022 soll die Umlage nach Willen der Regierung weiter sinken – auf dann sechs Cent. Das entspräche immerhin einer Entlastung um weitere 20 Euro pro Jahr. Doch gemessen daran, dass deutsche Verbraucher im Schnitt 1250 Euro im Jahr für Elektrizität zahlen, ist das noch immer nur ein Tropfen auf einem heißen Stein. Und der ist für die Bundesregierung obendrein teuer. Insgesamt muss der Bund für die Deckelung der Umlage bis Ende 2022 rund 10,8 Milliarden Euro hinblättern.

Ein Strompreisdeckel war allerdings nötig. Denn ohne staatliche Zuschüsse wäre die EEG-Umlage 2021 auf 9,65 Cent gestiegen. Das liegt an der Arithmetik der Umlage, die die Differenz zwischen dem an der Börse ermittelten Strompreis und den garantierten Zahlungen an Ökostromproduzenten ausgleicht. Je größer die Lücke, desto höher die Umlage. Und die Börsenstrompreise sind infolge der Coronakrise stark gesunken.

Die Verbraucher hätte ein ungebremster Anstieg der Umlage hart getroffen. Laut dem Vergleichsportal Verivox hätten sich die durchschnittlichen Strompreise um 13 Prozent verteuert. Jährliche Mehrkosten für einen Durchschnittshaushalt: 136 Euro.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sprach von einem Paradigmenwechsel, weil der Staat massiv in den Verlauf der EEG-Umlage eingreift. Es dürfte nicht der letzte Eingriff bleiben. Ab sollen 2021 auch Einnahmen aus der neuen nationalen CO2-Bepreisung genutzt werden, um Verbraucher bei der EEG-Umlage zu entlasten.

Steigen diese, dann “steigen auch die Entlastungen beim Strompreis”, verspricht Altmaier. Ob die Umlage in den kommenden zwei Jahren dadurch auch unter 6,5 und 6 Cent sinken könnte, ließ er jedoch offen. Eine Sprecherin wurde auf SPIEGEL-Nachfrage klarer. Man habe sich vorerst auf 6,5 und 6 Cent festgelegt, sagte sie. Denn es sei zurzeit kaum zu prognostizieren, wie sich die Einnahmen aus der CO2-Abgabe entwickeln würden.

Größere Entlastungen für Verbraucher sind demnach nicht in Sicht, trotz wachsender Kritik, dass die Strompreise in Deutschland unverhältnismäßig hoch sind.

Deutsche Verbraucher müssen im internationalen Vergleich enorm viel Geld für Strom ausgeben. In einem internationalen Ranking von Verivox belegt die Bundesrepublik Platz 16 – wobei die meisten Staaten mit noch höheren Strompreisen krisengeschüttelte Entwicklungsländer sind, in denen sich manche Einwohner überhaupt keine Elektrizität leisten können.

Insgesamt haben sich die Strompreise in Deutschland seit der Jahrtausendwende mehr als verdoppelt. Derzeit kostet die Kilowattstunde in der Grundversorgung im Schnitt rund 32,10 Cent. Grund für das Preishoch sind zahlreiche Steuern und Abgaben wie zum Beispiel die EEG-Umlage oder die Netzentgelte. Sie machen mittlerweile rund zwei Drittel des Strompreises aus.

Industrievertretern gehen die Maßnahmen des Ministers deshalb nicht weit genug. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fordert die komplette Abschaffung der Umlage. “Mehr Markt und weniger Regulierung ist die Lösung für den Erfolg der Energiewende”, sagte Vize-Hauptgeschäftsführer Holger Lösch. 

Kerstin Andreae, die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, fordert, die EEG-Umlage auf Dauer bei maximal fünf Cent einzufrieren. Außerdem müsse die Stromsteuer auf das europarechtlich zulässige Minimum gesenkt werden, sagt sie. “Die Steuer- und Abgabenlast auf Strom ist mit über 50 Prozent einfach zu hoch.”

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