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Südpol: Forscher erklären Ursache für Temperaturrekord

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Der extreme Temperaturanstieg am Südpol während der vergangenen 30 Jahre geht einer Studie zufolge vor allem auf natürliche Klimaschwankungen zurück und lässt sich nicht allein mit dem Klimawandel erklären. Auslöser war demnach vor allem eine jahrzehntelange Phase hoher Wassertemperaturen im Tausende Kilometer entfernten tropischen Pazifik, berichten Forscher im Fachblatt “Nature Climate Change”.

Der Südpol verzeichnet seit Ende der Achtzigerjahre einen drastischen Temperaturanstieg. Während die weltweiten Temperaturen im Schnitt um 0,2 Grad Celsius pro Jahrzehnt anstiegen, erhöhte sich die Temperatur dort um das Dreifache: um 0,61 Grad Celsius pro Dekade.

Im Jahr 2018 registrierte die Amundsen-Scott-Südpolstation das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen in den Fünfzigerjahren: Die Mitteltemperatur lag um 2,4 Grad Celsius über dem Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010. Besonders hohe Abweichungen verzeichneten Meteorologen im Sommer und Herbst.

Warmes Wasser in den Tropen lässt Temperaturen in der Antarktis steigen

Um die Ursache zu klären, untersuchte das Team um Kyle Clem von der neuseeländischen Victoria University of Wellington die großräumigen Zusammenhänge über die drei Jahrzehnte. Demnach resultierte die Erwärmung am Südpol vor allem durch besonders ausgeprägte Tiefdruckgebiete über dem Weddell-Meer bei der antarktischen Halbinsel. Dadurch strömten milde und feuchte Luftmassen aus dem Südatlantik zum Polarplateau im Inneren der Antarktis.

Die Entwicklung über dem Weddell-Meer führt das Team wiederum auf erhöhte Temperaturen des Oberflächenwassers im tropischen Westpazifik zurück – in einem Bereich, der sich grob von Neuguinea bis südlich von Hawaii erstreckt. Ursache für die dort steigenden Temperaturen ist die sogenannte pazifische Interdekaden-Oszillation – ein natürliches Phänomen, dessen Phasen sich über Jahrzehnte auswirken.

Der Studie zufolge korrelierten die hohen Temperaturen im tropischen Westpazifik mit den erhöhten Lufttemperaturen am Südpol. Schon vorherige Studien hatten gezeigt, dass die Erwärmung im Westpazifik die Zirkulation von Luftmassen in der Südhemisphäre derart verändern kann.

Klimamodelle zeigen, dass die hohen Temperaturen am Südpol im Bereich natürlicher Schwankungen liegen. “Deshalb vermuten wir, dass die zyklonische Anomalie im Weddell-Meer durch die ungewöhnlich hohen Temperaturen des Oberflächenwassers im äquatornahen Westpazifik verursacht wurde”, schreiben die Autoren. Diese Anomalie war im Sommer und Herbst am stärksten ausgeprägt – was ebenfalls zu den besonders hohen Temperaturen am Südpol während dieser Jahreszeiten passt.

Die Resultate zeigen, wie stark Veränderungen in den Tropen das Wetter im Inneren der Antarktis beeinflussen können. “Das bedeutet nicht, dass der menschlich bedingte Klimawandel in der Antarktis keine Rolle spielt”, schreiben Sharon Stammerjohn und Ted Scambos von der University of Colorado in Boulder, die nicht an der Studie beteiligt waren, in einem Kommentar. Die natürlichen starken Klimaschwankungen in der Antarktis erschweren es jedoch, den menschlichen Einfluss auf die Temperaturschwankungen zu beziffern.

“Kein Ort sicher vor Klimawandel”

Die Studie zeige, dass kein Ort vor dem Klimawandel sicher sei, so die Kommentatoren. Während die Temperaturen am Südpol noch weit unter dem Gefrierpunkt liegen, ist das an den Küsten der Antarktis und am Westantarktischen Eisschild nicht der Fall.

Auch andere Regionen der Erde melden derzeit außergewöhnliche Temperaturanomalien. Mitte Juni wurden im sibirischen Werchojansk Temperaturen von 34 Grad Celsius gemeldet. Normalerweise ist es zu dieser Jahreszeit dort um die 12 Grad Celsius warm. Der Hitzerekord hat Meteorologen weltweit so überrascht, dass nun Untersuchungen zeigen sollen, ob möglicherweise nicht gar ein Messfehler vorliegt. Forscher rechnen damit, dass die Wahrscheinlichkeit für solche extremen Wetterlagen durch den Klimawandel ansteigen werden.

“Ohne Zweifel leben wir in beispiellosen Zeiten, sowohl für die Gesundheit unseres Planeten als auch für die seiner Bewohner”, schreiben die Forscher Stammerjohn und Scambos. Entscheidend sei deshalb, die Kurve der globalen Kohlenstoff-Emissionen abzuflachen.

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