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„Tatort“-Nachlese: Eine neblige Angelegenheit


„Tatort“-Nachlese
:
Eine neblige Angelegenheit



Emilia Bernsdorf als Tochter Emily, die beim doppelten Spiel ihrer Eltern auf der Strecke bleibt.
Foto: dpa/Bettina Müller

Frankfurt Im „Tatort“ aus Frankfurt ging es diesmal um ein Agentenpaar, das doppeltes Spiel treibt – wobei nicht nur die Tochter auf der Strecke bleibt. Gute Idee, leider aber nur mäßig spannend.

Worum ging’s? Sebastian, der auf Youtube sogenannte Lost Places erkundet, wird tot in einer Fabrikhalle aufgefunden. Schnell ist klar: Er ist nicht in den Tod gestürzt, sondern wurde erschlagen – und zwar nicht am Fundort. Bei den Ermittlungen stoßen Janneke (Margarita Broich) und Brix (Wolfram Koch) auf Familie Fisher, die nebenan wohnt. Tochter Emily war in Sebastian verliebt, Vater Raymond mit dem Vater des Toten befreundet. Und dann ist da noch Mutter Gretchen (Tessa Mittelstaedt), die im Keller mysteriöse Funksprüche abhört, sich auch sonst ziemlich geheimnisvoll verhält – und eine Affäre mit Sebastian hatte. Irgendwann gestehen sie der Tochter, dass sie für den US-amerikanischen Geheimdienst CIA arbeiten – am Ende stellt sich jedoch heraus: Die beiden sind Doppelagenten und spionieren zeitgleich für Russland. Sebastian hatte das Funkgerät im Keller versteckt und musste deshalb sterben, Vater Raymond (Kai Scheve) wird vergiftet, weil aussteigen will. Alles, weil Gretchen die perfekte Vorstadt-Fassade aufrecht erhalten will. Und Tochter Emily (Emilia Bernsdorf) steht vor dem Nichts.

Was war gut? Das Konzept, den Krimi um die Familiendynamik der Fishers zu spinnen, ist an sich gut. Die misstrauische, kühle Atmosphäre in der Villa, die Eltern, die einander und der Tochter nicht vertrauen, die Tochter, die ihr bisheriges Leben bröckeln sieht – das alles sind gute Ideen. Dazu kommen hübsch inszenierte düstere Bilder aus der herbstlich-nebligen Vorstadt und der verlassenen Fabrikhalle und ein – zumal für Frankfurt-Affine – wie immer angenehm ruppiges, aber doch einfühlsames Ermittler-Team.

Was war nicht so gut? Dass die Fishers Amerikaner sind, wurde dem Zuschauer zum einen durch Einlassungen auf Englisch klar gemacht, zum anderen aber auch durch Thanksgiving-Kürbisse im Wohnzimmer und das Servieren von Milch und frischgebackenen Cookies beim Besuch der Ermittler. Beides nicht wirklich subtil und auch nicht wirklich gelungen, zumal die englischen Dialoge teilweise doch sehr hölzern klangen. Außerdem war der Konflikt zwischen Mutter Gretchen und Tochter Emily zwar spannend – das Schauspiel der beiden aber manchmal etwas zu grell, zu aufgesetzt.

Die kenn’ ich doch Tessa Mittelstaedt hat im Kölner „Tatort“ 14 Jahre lang Franziska Lüttgenjohann, die Assistentin von Ballauf und Schenk, gemimt. Sie verabschiedete sich 2014 mit einem Knall: Ihr letzter Fall „Franziska“, in dem die Assistentin als Geisel genommen wird und am Ende stirbt, war so brutal und aufwühlend, dass er als erster „Tatort“ erst nach 22 Uhr gesendet wurde. „Es gab zwei Momente, die auch an meine Grenzen gingen“, sagte sie damals. Seitdem dreht Mittelstaedt vor allem Fernsehfilme, jetzt war sie erstmals wieder in einem Krimi der „Tatort“-Reihe zu sehen.