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TikTok sammelte Gerätedaten von Android-Nutzern

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Nicht sehr bunt: Das Logo der TikTok-App


Nicht sehr bunt: Das Logo der TikTok-App


Foto: via www.imago-images.de / imago images/Kyodo News

Eine Recherche des “Wall Street Journal” deckt neue, bisher unbekannte Datensammlungen durch die zum chinesischen Konzern ByteDance gehörende App TikTok auf. Die Android-Version der Kurzvideo-App soll demnach auch die sogenannten MAC-Adressen der verwendeten Smartphones abgerufen haben.

Dabei handelt es sich um eine für jedes Gerät einmalige und nicht änderbare hexadezimale Kombination aus Zahlen und Buchstaben. Sie ermöglicht es, jedes Gerät eindeutig zu identifizieren. MAC-Adressen sind die Nummernschilder des Internets.

Die Datensammlung umging dem Bericht zufolge Datenschutzvorkehrungen von Google und dauerte mindestens 15 Monate an. Nutzerinnen und Nutzer seien über die Maßnahme nicht informiert worden.

MAC-Adressen eignen sich für Unternehmen gut, um personalisierte Werbung auszuspielen, weil sie eben nicht verändert oder gelöscht werden können. Einer vom “Wall Street Journal” zitierten Untersuchung aus dem Jahr 2018 zufolge hat damals nur ein Prozent aller Android-Apps MAC-Adressen gesammelt.

Der Bericht kommt zu einem Zeitpunkt, an dem in den USA der politische Druck auf TikTok massiv zugenommen hat. Präsident Trump hat vergangene Woche ein Dekret unterzeichnet, dass auf ein Verbot der App in den USA hinauslaufen könnte. Die App sei eine Bedrohung für die nationale Sicherheit, heißt es darin. Außenminister Pompeo hatte nahegelegt, dass Daten von Nutzerinnen und Nutzern in China landen könnten.

Laut der Analyse des “Wall Street Journal” wurden die MAC-Adressen gleich nach der Installation der App an die Server von TikTok geschickt, noch bevor die Anwenderinnen oder Anwender ein Konto anlegten. Das Vorgehen sei allerdings im November 2019 beendet worden.

TikTok erklärte gegenüber dem SPIEGEL, dass die aktuelle App-Version keine MAC-Adressen sammelt. Eine Unternehmenssprecherin betonte mit Bezug auf den Artikel des “Wall Street Journal”, dass TikTok “keine ungewöhnliche Menge an Informationen für eine App sammelt”. Zu den Vorwürfen, dass chinesische Behörden auf TikTok-Daten zugreifen könnten, sagte die Sprecherin, dass TikTok niemals Nutzerdaten an die chinesische Regierung weitergegeben habe und dies auch nicht tun werde, wenn man darum gebeten würde.

Apple verhindert schon seit mehreren Jahren, dass Drittfirmen auf die MAC-Adressen von iPhones zugreifen können. Auch Google schließt einen solchen Zugriff durch Drittfirmen eigentlich seit zwei Jahren technisch aus, berichtet das “Wall Street Journal”. Dem Bericht zufolge habe TikTok aber eine Hintertür genutzt, um die Daten dennoch abzurufen.

Von Google hieß es gegenüber dem “Wall Street Journal”, dass man die Ergebnisse der Analyse des Magazins prüfe.

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