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Trainer und Spieler: Warum Eberl für Borussia perfekt eingekauft hat

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Trainer und Spieler
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Warum Eberl für Borussia perfekt eingekauft hat



Max Eberl kann mit seiner Transferpolitik zufrieden sein.
Foto: Poolfotos/Dirk Päffgen

Analyse Mönchengladbach Marcus Thuram, Breel Embolo, Stefan Lainer und Ramy Bensebaini stehen für den neuen Ansatz, den Marco Rose etablieren sollte. Der neue Trainer hat das optimal umgesetzt. Auch, weil die vier Neuen seinen Stil verkörpern.

Nie zuvor hat Borussia Mönchengladbach so viel in den Kader investiert wie im Sommer 2019. 42 Millionen Euro hat Sportdirektor Max Eberl inklusive der Ablösesumme für den neuen Trainer Marco Rose ausgegeben. Jeder Cent davon hat sich gelohnt. Eberl hatte bei seinen Transfers einen 100-Prozent-Quote. Er hat perfekt eingekauft.

2,5 Millionen Euro gab Eberl für Rose aus, um ihn bei RB Salzburg loszueisen. 12,5 Millionen Euro kostete der Rechtsverteidiger Stefan Lainer, den Rose aus Salzburg mitbrachte, zehn Millionen Euro überwies Eberl für Embolo an Schalke 04, neun Millionen kostete Marcus Thuram, der von EA Guingamp kam und acht Millionen der algerische Afrika-Cup-Sieger Ramy Bensebaini von Stade Rennes.

Eberl wollte mit Rose einen neuen Weg einschlagen. Der Trainer hat das optimal umgesetzt, gleich in seiner ersten Saison führte er Gladbach in die Champions League. „Marco Rose ist unser Mitarbeiter der Saison“, sagte Eberl. Rose hat dem Team, ja dem gesamten Klub einen neuen Spirit eingehaucht, sein unbändiger Wille zum Erfolg hat alle im Borussia-Park angesteckt. Rose denkt groß, er will immer gewinnen, das ist auch in gewisser Weise Bayern-esk, doch genau das hatte Borussia in den vergangenen Jahren gefehlt: Rose hat eine gewisse Mia-san-mia-Mentalität am Niederrhein etabliert.

Doch es brauchte Männer, die Roses Gedankengut im Team widerspiegeln. Borussias Credo war in den vergangenen Jahren die gehobene Spielkultur, das Borussia-Tiki-Taka. Auch das führte in die Champions League, 2015 und 2016. Doch der Fußball hat sich verändert und dem hat Eberl mit dem Rose-Transfer Rechnung getragen: Rose sollte die Spielkultur um Wucht und Willen erweitern. Genau diese Merkmale hat Eberl dazu gekauft.

Lainer hat in Salzburg den Rose-Stil quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Er hat den Kollegen vorgelebt, wie Rose-Fußball geht. Lainer hat gezeigt, dass auch Kampf Ästhetik sein kann, er ist ein Berti Vogts der Neuzeit. Möglich, dass es Rose ohne Lainer schwerer gefallen wäre, seine Ideen umzusetzen.

Eberl hat für das Geld auch Tore eingekauft. 28 haben die vier Neuen wettbewerbsübergreifend erzielt, dazu kommen 26 Vorlagen. Das macht insgesamt 54 Scorerpunkte. Vorabreiter in dieser Disziplin war Thuram mit 14 Treffern und neun Vorlagen, damit ist er nach Alassane Plea die Nummer zwei der Scorerliste. Dass der Sohn des französischen Weltmeisters Lilian Thuram mit seinem Speed immer wieder Löcher riss, ob über den linken Flügel oder als zentraler Stürmer, war ein wichtiges Stilmittel. Doch nicht nur als Fußballer, sondern auch menschlich ist Thuram ein großer Gewinn für Gladbach. Er gehört zur Gute-Laune-Fraktion im Team, er hat den Eckfahnenjubel erfunden, der Borussias Erfolgsgeschichte symbolisiert, und er hat mit seiner Kniefall-Geste ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt, das die ganze Liga inspirierte. Ein starker Typ.

Thuram schoss das erste Tor der Saison beim Pokalspiel in Sandhausen, Embolo das letzte gegen Hertha BSC und zudem das erste Geisterspieltor der Bundesliga-Geschichte. Embolo ist die personifizierte Wucht und Willensstärke. Acht Tore und acht Assists hat der Schweizer eingesammelt, der als Zehner und Neuner seine Qualitäten einbrachte. Vor allem in der Schlussphase der Saison, als Thuram und Plea fehlten, war er da und trieb Borussia an,

Das tat auch Ramy Bensebaini. Fünf Tore und fünf Assists sind eine starke Quote für einen Linksverteidiger. Bensebaini teilte sich den Job mit Oscar Wendt, in der neuen Saison dürften sich die Spielanteile mehr in seine Richtung verschieben. Es gab ein paar Flapsigkeiten bei ihm, doch war er immer ein unermüdlicher Vorkämpfer, der zudem mit seinen Vorstößen die Offensive unterstützte.

Der fünfte Neue, Torwart Max Grün, hat wie erwartet nicht gespielt. Doch er hat als Typ im Training gewirkt und so seinen Teil zum Erfolg beigetragen. Der Lohn ist die Vertragsverlägerung.

Was Eberls künftiges Einkaufsgeschick angeht, darf man gespannt sein. Es wird ganz sicher keinen neue Rekordinvestition geben, doch auch mit kleinem Geld ist etwas zu bewirken. Die Zielsetzung ist klar: Borussia soll noch rosiger werden. Eberl hat gezeigt, dass er weiß, worauf es da ankommt. Er hat 2019 den Rose-Fußball eingekauft. Note eins.