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Türkei: Tote und Vermisste nach Bootsuntergang auf Gebirgssee

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Ein Boot mit Dutzenden Flüchtlingen aus Pakistan, Afghanistan und Iran ist auf dem Vansee im Osten der Türkei gesunken. Stürmisches Wetter soll zu dem Unglück geführt haben. 55 bis 60 Migranten seien an Bord gewesen, sagte Innenminister Suleyman Soylu.  

Am 27. Juni war das Boot als vermisst gemeldet worden. Die örtlichen Behörden hätten Rettungs- und Bergungskräfte entsandt, auch ein Helikopter sei im Einsatz gewesen, hieß es.

Elf Menschen in Gewahrsam

Bisher seien sechs Leichen geborgen worden. Elf Menschen seien im Zusammenhang mit dem Vorfall in Gewahrsam genommen worden. Soylu reiste zum Vansee, um sich einen Überblick über die Rettungsarbeiten zu verschaffen.

Erst im vergangenen Jahr waren sieben Flüchtlinge auf dem See ums Leben gekommen, als ihr Boot sank. 64 weitere konnten gerettet werden. Mit einer Uferlänge von etwa 576 Kilometern ist der Vansee einer der größten Gebirgsseen der Erde. Er liegt nahe der Grenze zu Iran auf einer Höhe von 1648 Metern und ist von bis zu 4000 Meter hohen Bergen umgeben. Er ist über 450 Meter tief.

Sebastian Kurz warf Türkei “Erpressung” vor

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International beklagen die schlechten Zustände in den Flüchtlingszentren in der Türkei sowie den teilweise rücksichtslosen Umgang mit Migranten. Die Türkei sieht sich außerdem dem Vorwurf ausgesetzt, mit Flüchtlingen Politik zu betreiben und die EU unter Druck zu setzen.

Zuletzt hatte der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) Ankara “Erpressung” in der Flüchtlingspolitik vorgeworfen. Die türkische Regierung konterte, Kurz, der die Grenzen für Flüchtlinge geschlossen habe, verstoße gegen EU-Werte, Menschenrechte sowie die Genfer Flüchtlingskonvention.

Europa lässt sich die Reduzierung der Zuwanderung einiges kosten: Weitere 485 Millionen Euro will die EU-Kommission der Türkei zusätzlich zu den bereits versprochenen 6 Milliarden Euro überweisen, um die 3,6 Millionen syrischen Flüchtlinge im Land zu unterstützen.

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