Spiegel

Türkei und Bulgarien: Wie Bojko Borissow zu Recep Tayyip Erdoğans Handlanger wurde

Aus seiner Abneigung gegenüber den Europäern hat er nie einen Hehl gemacht. Recep Tayyip Erdoğan bezichtigte die Bundesregierung der Terrorhilfe und beschimpfte Frankreich als Provokateur. Seit Wochen droht er im Ringen um Gasfelder mit einem Seekrieg gegen Griechenland.

Ein EU-Staat ist von den Tiraden des türkischen Staatschefs bislang jedoch verschont geblieben: Bulgarien. Erdoğan und der bulgarische Premier Bojko Borissow unterhalten eine besondere Männerfreundschaft.

Als die türkische Regierung im März Flüchtlinge in Richtung Griechenland schickte, blieb die Grenze zu Bulgarien geschlossen. Zu Beginn der Coronakrise lieferte die Türkei Masken und Testkits nach Sofia.

Erdoğans Freundschaft hat aber offenbar einen Preis. SPIEGEL-Recherchen legen nahe, dass Bulgariens Regierung bei der Verfolgung mehrerer türkischer Regimegegner behilflich war – und so gegen internationale Konventionen und juristische Prinzipien verstoßen hat.

Geheime Depeschen der türkischen Botschaft in Sofia, die dem SPIEGEL vorliegen, lassen vermuten, dass Premier Borissow, der ehemalige bulgarische Generalstaatsanwalt Sotir Tsatsarow und der bulgarische Geheimdienst nach dem Putschversuch in der Türkei im Juli 2016 aktiv an der Abschiebung eines türkischen Oppositionellen mitgewirkt haben – und das, obwohl sich bulgarische Gerichte zuvor ausdrücklich gegen ein Auslieferungsgesuch verwahrt hatten.