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Uno-Bericht: 140 Millionen weniger Mädchen und Frauen – wegen Präferenz für Söhne

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Mehr als 140 Millionen Mädchen und Frauen fehlen weltweit, weil sie aufgrund der Bevorzugung männlicher Nachkommen und Vernachlässigung zu Tode gekommen sind, heißt es im Jahresbericht des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA).

Die Präferenz für Söhne sei “Symptom einer fest verwurzelten Geschlechterungerechtigkeit” mit demographischen Folgen, so die Autoren. So hätten Männer aufgrund des durch Diskriminierung entstandenen Frauenmangels in einigen Ländern inzwischen Schwierigkeiten, eine Partnerin zu finden.

Schwere und langanhaltende Traumata

Zudem ist Gewalt gegen Frauen in vielen Teilen der Welt weiter trauriger Alltag. Laut UNFPA wird noch immer eine von fünf Ehen mit Minderjährigen geschlossen. Zwar seien Kinderehen fast überall auf der Welt verboten, dennoch würden solche Verbindungen 33.000 Mal am Tag vollzogen. Derzeit lebten 650 Millionen Mädchen und Frauen auf der Erde, die als Kinder verheiratet wurden.

Geschätzt 4,1 Millionen Mädchen liefen zudem Gefahr, in diesem Jahr Opfer von Genitalverstümmelung zu werden. 200 Millionen sind bereits von den zum Teil dramatischen Folgen weiblicher Genitalbeschneidung betroffen.

Solche Praktiken führten zu schweren und langanhaltenden Traumata, die den Mädchen das Recht nähmen, sich voll zu entwickeln, sagte UNFPA-Geschäftsführerin Natalia Kanem.

“Wir müssen das Problem an der Wurzel anpacken”

Dem Bericht zufolge gibt es 19 solcher schädlichen Praktiken – darunter das sogenannte Brustbügeln, bei dem heiße Gegenstände auf die Brüste gedrückt werden, um deren Wachstum zu hemmen. Auch Jungfräulichkeitstests gehörten zu dieser Art von Menschenrechtsverletzung.

Laut Kanem könnten Gesetze allein die Frauen nicht schützen. “Wir müssen das Problem an der Wurzel anpacken, die Gemeinden besser dabei unterstützen, zu erkennen, welchen Preis die Mädchen für diese Praktiken bezahlen und welchen Vorteil die Gesellschaft davon hat, wenn sie unterbunden werden.”

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