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Warnung vor Langzeitfolgen: Bill Gates erwartet trotz Impfstoff Millionen Todesfälle durch Corona-Pandemie


Warnung vor Langzeitfolgen
:
Bill Gates erwartet trotz Impfstoff Millionen Todesfälle durch Corona-Pandemie



Bill Gates beim Weltwirtschaftsforum 2018 in Davos.
Foto: dpa/Gian Ehrenzeller

Berlin/New York Microsoft-Gründer Bill Gates warnt vor den Corona-Langzeitfolgen. Zwar werde es bald Impfstoffe geben. Allerdings habe die Pandemie viele Erfolge bei der Bekämpfung von Armut und Krankheiten zunichte gemacht. Vorwürfe erhebt er gegen die Trump-Regierung.

Covid-19 wird laut Microsoft-Gründer Bill Gates (64) Millionen Todesfälle zur Folge haben. „Die überwiegende Mehrheit der Todesopfer wird jedoch nicht Teil der offiziellen Opferzahlen sein“, erklärte Gates im „Spiegel“-Gespräch (Dienstag). Stattdessen warnt Gates vor den Langzeitfolgen.

Die Pandemie habe viele Erfolge bei der Bekämpfung von Armut und Krankheiten zunichte gemacht. Weil Covid-19 „die Räder der Weltwirtschaft verlangsamt“ habe, seien 37 Millionen Menschen in extreme Armut zurückgefallen. Wenn die Kindersterblichkeit wieder nach oben gehen sollte, werde dies wahrscheinlich weitgehend auf einen Anstieg der Unterernährung zurückzuführen sein.

Gates äußerte sich auch bei der Veröffentlichung des „Goalkeepers“-Berichts. Der seit 2017 jährlich veröffentlichte Report bilanziert den bislang erreichten weltweiten Fortschritt beim Kampf gegen Armut und Krankheiten und prognostiziert, wie es weitergehen könnte. „Die Pandemie hat den Fortschritt angehalten und uns zurückgedrängt“, sagte Gates.

Die weltweite Impf-Abdeckung von Menschen sei auf das Niveau der 90er Jahre zurückgefallen – und habe damit „die Welt in 25 Wochen um 25 Jahre zurückversetzt“. Außerdem verstärkten die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie bestehende Ungleichheiten, da Frauen und Minderheiten sowie Menschen, die in extrem armen Verhältnissen leben, deutlich stärker betroffen seien.

Die Welt müsse deswegen gemeinsam die Pandemie und ihre Auswirkungen bekämpfen – vor allem durch die Entwicklung von Behandlungsmethoden und Impfstoffen, fordern Bill und seine Frau Melinda Gates in dem Bericht. „Dies ist eine gemeinsame globale Krise, die eine gemeinsame globale Antwort verlangt.“

Bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus erwartet Gates einen Durchbruch für Anfang des nächsten Jahres. Bei „Bild live“ sagte Gates am Montagabend, er rechne damit, dass „mit etwas Glück“ im ersten Quartal 2021 drei oder sogar vier Impfstoffe zugelassen werden. Es werde dann aber die Herausforderung sein, das Mittel in Massen herzustellen

„Um den Impfstoff sieben Milliarden Menschen zur Verfügung zu stellen, brauchen wir fast 14 Milliarden Dosen. Das wurde zuvor noch nie gemacht“, sagte Gates. Er sprach von einer Notfallmaßnahme, die ganz neue Strategien erfordere.

Gates hatte vor 20 Jahren die Globale Impfallianz (Gavi) ins Leben gerufen. Es handelt sich um eine öffentlich-private Partnerschaft, in der sich Regierungen, Pharmakonzerne, private Geber, Unicef, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Weltbank zusammengeschlossen haben. Ziele sind, Impfstoffe kostengünstig zur Verfügung zu stellen und den Auf- und Ausbau von Gesundheitssystemen zu unterstützen. Unter anderem wurde in den vergangenen Jahren der Ankauf von Impfstoffen gegen Ebola, Cholera, Hirnhautentzündung und Gelbfieber finanziert.

Seit der Gavi-Gründung haben Regierungen und private Geber knapp 21 Milliarden Dollar bereitgestellt. Deutschland förderte Gavi bisher mit insgesamt knapp 905 Millionen Dollar. Die Bill- und Melinda-Gates-Stiftung ist mit einem Sechstel des Budgets zweitgrößter Geber nach Großbritannien.

Aufgrund seines finanziellen Engagements steht Gates im Zentrum von Verschwörungstheorien rund um die Corona-Pandemie. Bei „Bild live“ sagte er: „Ich finde, dass es irgendwie ironisch ist, dass ich anmahnte, auf diese Pandemie vorbereitet zu sein – und jetzt gibt es Leute, die sagen, ich sei dafür verantwortlich.“ Ihm gehe es darum, Leben zu retten. „Wir befinden uns inmitten einer Pandemie, und es ist wichtiger als je zuvor, sich mit den Tatsachen und der Wahrheit auseinanderzusetzen“, sagte Gates.

Im „Spiegel“ erhob Gates zudem schwere Vorwürfe gegen US-Präsident Donald Trump. Er sei für die katastrophalen Corona-Fallzahlen in den USA verantwortlich. „Die Reaktion der USA ist so viel schlechter, als sie hätte sein sollen. Und dafür ist die politische Führung voll und ganz verantwortlich“, sagte Gates.

Seine Stiftung könne nicht die Lücken füllen, die der Austritt der USA aus der Weltgesundheitsorganisation gerissen habe, sagte er. „Das Letzte, was man tun will, ist, Regierungen zu helfen, die sich unverantwortlich verhalten.“ Den Vorwurf, die Gates Stiftung habe in den vergangenen Jahren zu wenig für die Pandemievorbereitung getan, wies Gates zurück: „Um die Welt auf Kriege, Naturkatastrophen, Klimawandel oder Epidemien vorzubereiten, dafür sind Regierungen und Nationen verantwortlich, nicht wir.“