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Zahl der Kurzarbeiter sinkt nur langsam

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Die Zahl der Kurzarbeiter in Deutschland geht nach Schätzungen des Ifo-Instituts offenbar zurück – doch das nur langsam. Das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung zählt für den Monat Juni noch 6,7 Millionen Kurzarbeiter in Deutschland. Im Mai waren es 7,3 Millionen gewesen.

Obwohl die schärfsten Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie bereits vor einigen Wochen aufgehoben oder gelockert wurden, erholt sich die Wirtschaft bislang also eher schleppend.

“Der Rückgang ist recht zögerlich und in einigen Branchen nimmt die Kurzarbeit sogar noch zu”, sagt Ifo-Arbeitsmarkt-Experte Sebastian Link. Nach der Schätzung des Instituts erhöhte sich die Zahl der Kurzarbeiter in der Industrie von 2,2 Millionen auf 2,3 Millionen Menschen und damit von 31 auf 33 Prozent der Beschäftigten in den Industriebetrieben.

Autoindustrie und Maschinenbau rutschen tiefer in die Krise

Betroffen sind davon ausgerechnet zwei Sektoren, die eigentlich zu den Vorzeigebranchen der deutschen Wirtschaft zählen: In der Autobranche stieg die Zahl der Kurzarbeiter laut Ifo-Berechnungen leicht von 513.000 auf 516.000, der Anteil blieb bei 46 Prozent. Im Maschinenbau nahm die Zahl von 316.000 auf 354.000 zu, der Anteil wuchs von 29 auf 33 Prozent.

Eine Verbesserung der Lage zeigte sich hingegen im Gastgewerbe. Hier sank die Zahl der Kurzarbeiter laut Ifo-Berechnungen von 796.000 auf 672.000. Allerdings liegt der Anteil der Kurzarbeiter im Gastgewerbe immer noch bei 61 Prozent, im Mai waren es 72 Prozent.

Nach Angaben des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) fielen bei den Kurzarbeitern im Durchschnitt 58 Prozent der Arbeitszeit aus. 24 Prozent der Kurzarbeiter hätten überhaupt nicht gearbeitet (“Kurzarbeit Null”). Rund die Hälfte der Unternehmen stockte das von der Bundesagentur für Arbeit bezahlte Kurzarbeitergeld für ihre Beschäftigten auf.

In das Bild der bislang eher zähen wirtschaftlichen Erholung passt auch die Einschätzung von Ökonomen, die Coronakrise werde der deutschen Wirtschaft bis weit ins Jahr 2021 zu schaffen machen – mindestens. Zwar laufen die Geschäfte mit der Lockerung der Einschränkungen allmählich wieder an. Doch es wird dauern, die Einbußen der Pandemie wettzumachen.

“Das Produktionspotenzial dürfte in der Industrie und im Dienstleistungsbereich auch im Jahr 2021 vielfach deutlich unterausgelastet bleiben”, schreibt etwa das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) aus Köln auf Grundlage einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage unter Wirtschaftsverbänden. In einigen Bereichen werde die Wirtschaftsleistung erst im Jahr 2022 wieder das Niveau von vor der Corona-Krise erreichen.

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft drei bis vier Jahre brauchen wird, um wieder das Vorkrisenniveau zu erreichen. “Die Bundesregierung muss wohl noch einmal nachlegen”, sagte der DIW-Chef der “Passauer Neuen Presse”.

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